- Eröffnungsfeier: 12. Juni 2026, 15.30 - 18.30
- Ausstellung: 16. Juni - 2. Juli 2026 (Di & Mi: 08:30 - 12:30, Do: 16:00 - 19:00, So: 10:00 - 12:00)
- Wo? Bezirksmuseum Ottakring (Richard-Wagner-Platz 19b, 1160 Wien)
- Eintritt frei (Schulklassen besonders herzlich willkommen)
- Weiterführende Informationen zu den Publikationen und Präsentationen des Projekts finden sich auf der Website des Projekts.
Unter dem Titel „Multilingualism is my Superpower” präsentiert das Bezirksmuseum Ottakring ab 12. Juni in Zusammenarbeit mit der Universität Wien ungewöhnliche Superhelden. Zu sehen sind über 200 kreative Arbeiten – Texte, Kunstwerke und Medienprojekte – von Schüler*innen der 4. Klassen der Mittelschule Koppstraße 110/1, die im Rahmen des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Forschungsprojekts Udele (Understanding Disparities in English Language Education) der Universität Wien entstanden sind. Udele untersucht seit 2022 an verschiedenen sprachlich diversen Wiener Mittelschulen die Beziehung zwischen Mehrsprachigkeit und Englischlernen.
„Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, bringen sehr gute Voraussetzungen für das Lernen von Englisch mit“, erklärt Elizabeth Erling, Projektleiterin von Udele an der Universität Wien. „Gleichzeitig sehen wir in standardisierten Tests, dass viele Schüler*innen hervorragende Ergebnisse erzielen. Uns interessiert, wie diese sprachlichen Ressourcen noch stärker als positive Kraft im Lernen, aber auch im Leben der Jugendlichen und ihrer Communities wirksam werden können. Es war uns wichtig, auch den Jugendlichen selbst eine Plattform für ihre Sicht zu bieten. Gemeinsam mit ihnen entstand die Idee zu dieser Ausstellung.“
Standardisierte Kompetenzmessungen zeigen, dass mehrsprachige Schüler*innen im Englischunterricht häufig über gute Voraussetzungen verfügen und teilweise vergleichbare Leistungen wie Gymnasiast*innen erzielen. Gleichzeitig wird Mehrsprachigkeit im schulischen, gesellschaftlichen und politischen Diskurs oft weiterhin defizitär betrachtet – insbesondere im Zusammenhang mit dem Erwerb der Bildungssprache Deutsch. Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie Jugendliche dieser Perspektive eigene Gegenentwürfe entgegensetzen: Mehrsprachigkeit als Teil ihrer Identität und als klarer Vorteil.
Die Ausstellung macht zudem sichtbar, unter welchen strukturellen Bedingungen Lernen in sprachlich vielfältigen Schulen stattfindet. Trotz großer Potenziale stehen Lehrkräfte und Schüler*innen häufig vor Herausforderungen, etwa durch begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen.
Eröffnung und Rahmenprogramm
Die feierliche Eröffnung wird von Schüler*innen gemeinsam mit dem Udele-Team, Harald Swoboda (Direktor MS Koppstraße 1) sowie Stefanie Lamp (Bezirksvorsteherin Ottakring) gestaltet. Künstlerische Beiträge von Omar Altayi (DoReMi Musikschule) und der Slam-Poetin Elif Duygu greifen Themen wie Sprache, Zugehörigkeit und Identität auf und erweitern die Ausstellung um performative Zugänge.
„Diese Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen ihre Mehrsprachigkeit nicht als Hindernis, sondern als Stärke erleben und gestalten“, betont Erling. „Ihre Stimmen sind zentral, wenn wir Schule gerechter und inklusiver gestalten wollen.“
Zum Projekt Udele
Das Forschungsprojekt Udele untersucht seit 2022 Bildungsungleichheiten im Englischunterricht an sprachlich vielfältigen Wiener Mittelschulen. Im Zentrum steht die Frage, warum nicht alle Schüler*innen gleichermaßen vom Unterricht profitieren – obwohl viele von ihnen mehrsprachig aufwachsen und über hohe sprachliche Kompetenzen verfügen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Schulen liefert das Projekt Einblicke in Unterrichtspraxis, Lernprozesse und strukturelle Rahmenbedingungen. Ein besonderer Fokus liegt auf den praktischen Implikationen der Forschung. Im Rahmen des Projekts wurden konkrete Unterrichtsmaterialien und Fortbildungsangebote entwickelt, die gezielt darauf ausgerichtet sind, Englischlehrkräfte besser auf das Unterrichten in sprachlich vielfältigen Klassen vorzubereiten. Diese Materialien werden sowohl in Schulen als auch in der Lehrer*innenbildung eingesetzt. „Unser Ziel ist es nicht nur, Ungleichheiten sichtbar zu machen, sondern auch Wege aufzuzeigen, wie mit sprachlicher Vielfalt produktiv gearbeitet werden kann“, erklärt Erling.
Zur Projektleitung
Elizabeth Erling ist Professorin für Englisch-Fachdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich und Projektleiterin von Udele an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Mehrsprachigkeit, Bildungsgleichheit und Englischlernen in sprachlich diversen Kontexten.
